Was ist Metamerie? Das Phänomen beschreibt, dass zwei Farben unter einem Licht identisch wirken, unter einem anderen aber auseinanderdriften, etwa wenn Pigmenttinte oder optische Aufheller im Papier mit wechselndem Lichtspektrum reagieren. Darum sieht Ihr Fotodruck am Fenster anders aus als unter der Wohnzimmerlampe, obwohl Profil und Drucker einwandfrei arbeiten.
Metamerie ist ein physikalisches Phänomen, für das bei sauberem Workflow meist niemand schuld ist.
Hauptursachen sind die spektrale Zusammensetzung der Pigmenttinten und optische Aufheller (OBA).
Was ist Metamerie? Wenn der gleiche Druck unter verschiedenem Licht verschieden aussieht
Sie halten einen fertigen Print am Fenster in der Hand, und die Farben stimmen. Am Abend unter der Lampe wirkt derselbe Druck wärmer, grünlicher oder flacher. Das ist Metamerie: Zwei Farben mit unterschiedlicher spektraler Zusammensetzung erscheinen unter einer Lichtart gleich und unter einer anderen verschieden. Fällt ein solches Paar unter dem zweiten Licht auseinander, spricht man von einem metameric failure. Das Paar kann aus Proof und Druck bestehen oder aus Original und Reproduktion.
Fachlexika ordnen Metamerie als farbmetrisches Phänomen ein, als bedingte Gleichheit von Farben. Ein auf D50-Normlicht abgestimmter Proof kann perfekt zum Druck passen und unter Tageslicht oder Glühlampenlicht trotzdem abweichen. Monitor, Profil und Drucker dürfen also einwandfrei arbeiten und der Effekt tritt dennoch auf. Ganz ohne Einfluss bleibt Ihr Workflow allerdings nicht, denn ein falscher Druckmodus kann ähnliche Symptome erzeugen (dazu weiter unten mehr).
Warum gerade FineArt- und Fotodrucke betroffen sind: Pigmenttinte, Papier und Lichtfarbe
Beim Fotodruck wirken Tinte und Papier mit dem Licht zusammen, in dem der Print später hängt. Jeder Teil bringt sein Spektrum mit.
Pigmenttinten bleiben als Partikel auf der Papieroberfläche liegen. Das ergibt tiefe Schwarztöne und scharfe Details, auch auf matten und strukturierten Papieren, und macht Drucke widerstandsfähiger gegen Wasser und UV-Strahlung. Ein ICC-Profil, das genau auf die Papier-Drucker-Kombination abgestimmt ist, vermeidet Farbstiche bei Schwarzweißdrucken.
Jedes Pigment reflektiert Licht mit eigener spektraler Signatur. Ein Farbton lässt sich daher aus verschiedenen Pigmentmischungen aufbauen, die unter einem Licht gleich wirken und unter einem anderen nicht. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt deshalb auch vom Tintensatz Ihres Druckers ab.
Die dritte Achse ist das Licht selbst. Tageslicht enthält UV-Anteile und verändert seine Farbtemperatur im Tagesverlauf. Glühlampen und warmweiße Leuchtmittel strahlen deutlich wärmer und enthalten wenig UV. Galerie-Spots liegen häufig ebenfalls im warmen, UV-armen Bereich. Das Auge sieht am Ende immer das Produkt aus Lichtspektrum und Reflexionsspektrum des Drucks.
Was optische Aufheller mit dem Problem zu tun haben
Optische Aufheller (OBA) sind fluoreszierende Zusätze im Papier. Sie nehmen unsichtbares UV-Licht auf und geben es als sichtbares, meist bläuliches Licht wieder ab, wodurch das Papier weißer und leuchtender wirkt. Das funktioniert nur, wenn das Umgebungslicht genug UV enthält. Am Fenster strahlt das Papier, unter UV-armem Kunstlicht bleibt der Effekt aus und der Weißton kippt.
Optische Aufheller verfälschen auch die Profilierung. Ein Messgerät nimmt das vom Aufheller erzeugte Blau anders wahr als das menschliche Auge. Versucht das Profil den vermeintlichen Blaustich auszugleichen, fällt es zu gelblich aus. Auch sorgfältig erstellte Profile können bei aufhellerhaltigem Papier unter wechselndem Licht Stiche zeigen.
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Woran Sie Metamerie an Ihrem eigenen Druck erkennen
Nicht jeder Farbstich ist Metamerie. Mit diesen Fragen grenzen Sie die Ursache ein:
Wechselt der Stich beim Lichtwechsel vom Fenster zur Lampe, liegt Metamerie vor.
Bleibt der Stich bei jedem Licht gleich, liegt meist ein Fehler bei Profil oder Treibereinstellung vor.
Weicht schon der Softproof am Monitor vom Druck ab, ist es die übliche Monitor-Druck-Abweichung.
Die Monitor-Druck-Abweichung ist ein eigenes Thema. Sie hängt an Monitor, Kalibrierung und Papierweiß und lässt sich mit Softproofing eingrenzen. Hilfreich ist dabei ein zuverlässiger Bildschirm, wie ihn der Vergleich zum Monitor für die Bildbearbeitung beschreibt. Metamerie dagegen zeigt sich erst, wenn das Licht wechselt. Der Softproof zeigt Ihnen die Papierwirkung unter einem Referenzlicht und kann deshalb die Abweichung zwischen zwei Lichtsituationen nicht vorhersagen.
Normlicht, ICC-Profile und Papierwahl: so minimieren Sie das Risiko
Metamerie lässt sich nicht vollständig eliminieren, aber Sie können sie gut beherrschen. Diese vier Schritte haben den größten Hebel:
Beurteilen Sie Drucke unter Normlicht D50 und zusätzlich unter Fenster- oder Lampenlicht.
Lassen Sie ein ICC-Profil für Ihre exakte Drucker-Tinte-Papier-Kombination erstellen, statt ein Standardprofil zu verwenden.
Wählen Sie Papier mit geringem Aufhellergehalt.
Achten Sie darauf, welchen Tintensatz Ihr Drucker verwendet.
Für den Einstieg genügt eine kompakte D50-Betrachtungsleuchte am Schreibtisch.
Metamerie bei Verkaufsdrucken: wenn die Galerie anders leuchtet als das Wohnzimmer
Ein Werk, das in der Galerie unter warmen Spots hängt, trifft zuhause auf Tageslicht und ein anderes Leuchtmittel. Dieselbe Lichtwechsel-Mechanik greift, und der Käufer sieht den Druck anders als bei der Ausstellung.
Der einfachste Schutz ist Offenheit. Weisen Sie Käufer vorab darauf hin, dass ein Druck je nach Beleuchtung leicht anders wirken kann. Das nimmt Reklamationsdruck vorweg. Fragen Sie, wenn möglich, nach den Lichtverhältnissen am künftigen Hängeort oder simulieren Sie sie grob bei der Präsentation.
Zeigt ein fertiger Druck das Problem bereits, ist ein Neudruck meist nicht nötig. Klären Sie zuerst den Betrachtungskontext: Tritt die Abweichung bei jedem Licht auf, liegt ein Profil- oder Workflow-Fehler vor, und ein neuer Druck mit korrigierten Einstellungen ist sinnvoll. Zeigt sie sich nur bei Lichtwechsel, ist es echte Metamerie, und der Druck selbst ist in Ordnung. Dann hilft oft schon ein anderes Leuchtmittel am Hängeort, am besten mit neutralweißer Lichtfarbe und hoher Farbwiedergabe.
Metamerie als festen Teil des Druck-Workflows einplanen
Metamerie lässt sich nicht einmal beheben und dann abhaken. Sie ist ein Betrachtungsrisiko, das mit jedem neuen Ausstellungsort wieder auftauchen kann.
Häufige Fragen zu Metamerie
Macht eine günstige Normlicht-Leuchte für den Schreibtisch überhaupt einen Unterschied?
Ja, meistens. Sie schafft immer dieselbe Beurteilungssituation, und das ist gegenüber wechselndem Raumlicht ein großer Gewinn. Die Normwerte erreichen allerdings nur Leuchten, die dafür ausgelegt sind. Das Datenblatt gibt darüber Auskunft.
Betrifft Metamerie auch Farbdrucke oder nur Schwarzweiß-Fotos?
Ja, Farbdrucke sind genauso betroffen. Bei neutralen Grautönen fällt ein Stich nur schneller auf, weil nichts anderes den Farbeindruck überlagert. Die Ursachen sind in beiden Fällen Pigmente, Aufheller und Lichtart.
Woran erkenne ich, ob ein Papier viele optische Aufheller enthält?
Am einfachsten mit einer UV-Lampe: Papiere mit Aufhellern leuchten unter Schwarzlicht bläulich. Zusätzlich nennen manche Datenblätter Angaben wie „OBA-frei“ oder den Aufhellergehalt, und ein auffällig strahlendes Weiß am Fenster kann ein Hinweis sein.
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